Jules Wenz Delaminsky ist interdisziplinäre Künstlerin, Kulturwissenschaftlerin und Diplom-Designerin.Meine künstlerische Praxis untersucht Medien nicht als neutrale Werkzeuge, sondern als politische Infrastrukturen. Spiegel, Raster, Tracking-Systeme, Drucktechniken und Datenmodelle sind Apparate der Kontrolle, der Verdopplung und der Selektion. Sie strukturieren Wahrnehmung, lenken Bewegung und produzieren Bilder, die Objektivität behaupten, während sie Machtverhältnisse stabilisieren. Ich arbeite mit diesen Apparaten, indem ich ihre Störungen, Abnutzungen und Fehlfunktionen freilege.
Die von mir verwendeten Materialien – beschädigte Spiegel, Netze, Staub, Kabel, Datenlinien – tragen Spuren von Gewalt, Nutzung und Extraktion. Diese Spuren sind keine Nebeneffekte, sondern zentrale Bedeutungsträger. Unordnung erscheint in meiner Arbeit nicht als Gegenpol zur Struktur, sondern als deren Resultat. Wo Systeme versagen, werden ihre Bedingungen sichtbar.
Meine Arbeiten operieren bewusst zwischen analoger und digitaler Logik. Mechanische Kratzer erzeugen Bildstörungen, die an digitale Artefakte erinnern; Bewegungsdaten werden in körperliche Zeichnung zurückübersetzt; atmosphärische Partikel werden zu Druckmaterial. Diese Übersetzungen unterlaufen die Vorstellung eines reibungslosen, immateriellen Digitalen.
Zeitlichkeit ist dabei politisch. Arbeiten sind temporär, löschbar, verletzlich. Sie widersprechen der Idee des dauerhaften Werks ebenso wie der totalen Archivierung. Zerstörung, Verschwinden und Verlust fungieren als künstlerische Strategien gegen die Akkumulation von Daten und Bedeutung.
Ich verstehe Kunst als situative, medienkritische Praxis, die Portale öffnet: Risse in den Oberflächen scheinbar stabiler Systeme, in denen Wahrnehmung, Kontrolle und Teilhabe neu verhandelt werden.