DruckgrafikSahara DustSeit Tagen hängt Sand aus der Sahara in der Luft. Der Himmel ist gelb gefiltert, wie ein fehlerhaft gerendertes Bild. Der Staub reist über Kontinente, ignoriert Grenzen, setzt sich ab. Langsam sinkt er nieder und legt sich über Körper, Gebäude, Infrastrukturen. Ich sammle ihn mit einem weichen Pinsel, eine Geste zwischen Fürsorge und Aneignung, und vermenge ihn mit farbloser Ölmasse. Materie trifft Medium. Migration wird Druckfarbe. Als Druckstöcke dienen Holzplatten – ein klassisches Werkzeug, das hier mit globalem Partikelmaterial konfrontiert wird. Im Druck bleiben die Staubkörner sichtbar, ungleich verteilt, verdichtet oder vereinzelt. Jeder Abdruck ist ein Protokoll atmosphärischer Bedingungen, ein Index von Klimapolitik und Luftzirkulation. Der weit gereiste Sand findet auf dem Papier eine neue, fragile Heimat. Druck erscheint hier nicht als Reproduktion, sondern als Übersetzung: von Luft in Oberfläche, von Unsichtbarem in Spur. Die Grafik wird zur Speicherform einer Gegenwart, die sich buchstäblich niederschlägt. Sand ist kein Hintergrundrauschen mehr. Er ist Bild, Beweis und Beteiligter.
3D Druck, Keramik, FundstückSteine“Steine” operiert im Maßstab der Hand und im Maßstab der Daten. Ein gefundener Stein und eine geformte Tonmasse dienen als Ausgangspunkt – kleine Objekte, die zu Informationskörpern werden. Die 3D-Prints aus PE, um 20 % vergrößert, übersetzen Material in Modell, Gewicht in Volumen, Oberfläche in Berechnung. Maßstab ist hier keine neutrale Kategorie, sondern eine politische Entscheidung.
Die Druckgrafik zeigt Linien, die direkt aus dem Herstellungsprozess stammen. Was sonst verborgen bleibt – Reibung, Druck, Abweichung – wird sichtbar. Prozessspuren und topografische Informationen fallen zusammen. Höhenlinien sind keine Metapher, sondern ein Protokoll. Die Oberfläche wird zur Karte, die Karte zur Oberfläche.
Der Stein als Fundstück trägt Zeit in sich, die Tonmasse Erinnerung an die Hand. Beide werden digital erfasst, transformiert, reproduziert. Originale existieren nur noch als Referenz, als Datensatz, als Echo. In “Steine” kollabieren Naturform, manuelle Geste und technische Reproduktion. Das Ergebnis ist weder Abbild noch Kopie, sondern ein hybrider Körper. Ein Objekt, das zeigt, wie Materie heute zirkuliert: gescannt, vergrößert, gedruckt – und doch voller Widerstand.