Bodenzeichnung, Keramik, PerformanceSeoul NavigationEine App zeichnet meine Bewegungen in und um Seoul auf. Jeder Standort wird registriert, jede Abweichung gespeichert. Das Gehen durch die Stadt wird in eine Linie übersetzt, der Körper in Daten zerlegt. Tagsüber gehen, abends arbeiten, morgens prüfen. Navigation ersetzt Erinnerung. Aus Tracking entsteht Zeichnung.
Über drei Monate formt sich so Seoul Navigation: eine zeitgenössische Landschaftszeichnung, eine Stadtansicht ohne Horizont. Die Datenlinie wird zurückübersetzt – traditionell mit Pinsel und koreanischer Tusche, direkt auf den Boden meines Studios gemalt. Die digitale Spur landet im Analogen, das Virtuelle wird körperlich, schmutzig, zeitaufwendig.
Am letzten Tag der Offenen Ateliers, am Vorabend meiner Abreise, wird die Zeichnung im Beisein des Publikums weggewaschen. Die Arbeit verschwindet, wie Daten gelöscht werden sollten, aber selten verschwinden. Die keramischen 3-D-Formen werden aus dem Fenster geworfen. Schwerkraft ersetzt Archivierung.
Zwischen Datensatz und Geste, Kontrolle und Ritual, überschreiten die in Südkorea entstandenen Arbeiten die Grenzen der Medien. Sie sind zugleich digital und analog, temporär und dokumentiert. Bewegung wird Bild, Bild wird Verlust. Die Stadt bleibt zurück – als Spur, als Bildrauschen, als Erinnerung im System.