FotoserieZwischenräumeUnordnung erscheint in meiner fotografischen Arbeit nicht als Gegensatz zur Struktur, sondern als ihr Produkt. Die Serie Zwischenräume zeigt einen Blick aus dem Innenraum nach außen, der sich wiederholt und doch jedes Mal verschiebt. Es ist derselbe Blick, der jeweils von einem anderen Interesse gelenkt wird. Motiv ist das Moskitonetz meines damaligen Studios in Seoul – eine Fläche, die Ordnung verspricht und sie zugleich unterläuft.Die klaren, seriellen Linien des karierten Netzes geraten durch ein Loch in Unordnung. An den Rändern einer kleinen offenen Fläche lösen sie sich aus ihrer Funktion und werden zur Zeichnung. Das Netz verliert seine Schutzbehauptung und gibt den Blick frei auf das, was dahinterliegt – und auf das, was fehlt.Auf dem intakten Netz klebt ein ebenfalls gerasterter Flicken. Zwei Ordnungen überlagern sich und erzeugen ein Moiré, ein visuelles Flirren, das Stabilität nur vortäuscht.In der Nachtaufnahme verschwindet der Hintergrund vollständig. Das Netz wechselt seine Farbe, wird zu einem feinen Metallgitter, das Licht reflektiert. Auf derselben Ebene sitzen zwei Nachtfalter – Körper, die das Raster kurzfristig besetzen.In allen Fällen wird die gerasterte Fläche aufgerissen. Unordnung entsteht nicht durch Chaos, sondern durch minimale Verschiebungen innerhalb eines Systems. Sie markiert den Moment, in dem Kontrolle sichtbar wird – und brüchig.